MĂŒhlen, Patrik von zur
Baltische Geschichte in Geschichten
DenkwĂŒrdiges und MerkwĂŒrdiges aus acht Jahrhunderten

Die Geschichte Lettlands und Estlands ist eine sehr bunte, weil diese LĂ€nder nicht nur von Letten und Esten geprĂ€gt wurden, sondern ĂŒber Jahrhunderte auch von ihren deutschen und russischen Bewohnern sowie ihren Herrschern aus unterschiedlichsten LĂ€ndern Mittel-, Nord- und Osteuropas. Doch diese Geschichte ist keineswegs unentwirrbar: Patrik von zur MĂŒhlen erzĂ€hlt unterhaltsam und zugleich fundiert, dabei ohne unnötige historische Details, die Geschichte des Baltikums mit besonderem Blick auf seine ehemaligen deutschen Bewohner. Dabei greift er auf unzĂ€hlige veranschaulichende „Pratchen“ zurĂŒck, wie die Deutschbalten ihre unterhaltsamen Anekdoten nennen, die man sich an langen Winterabenden in den baltischen GutshĂ€usern am Kaminfeuer erzĂ€hlte.

Dem Leser entfaltet sich ein ungeahntes kulturelles Universum, ausgehend von der Ankunft der ersten Kreuzritter bis zum Blick auf das Erbe der Deutschbalten heute.

Die MentalitĂ€t der Deutschbalten wird insbesondere in den letzten Kapiteln sehr deutlich, in denen von zur MĂŒhlen die großen Linien der Geschichte verstĂ€rkt mit Erinnerungen aus der eigenen Familie illustriert. AusdrĂŒcke wie „Wacholderdeutsche“, „Pojuftenknicker“ und „Krippenreiter“ veranschaulichen den Blick der Balten auf sich und auf ihre Nachbarn im weitesten Sinne.

Die Besonderheit der Entwicklung der gesprochenen Sprache der Deutschbalten ĂŒberrascht selbst den, der das deutschsprachige Baltikum schon aus der Literatur kennt, da diese Besonderheiten in der Literatur nicht oder kaum auftauchen. Die Ferne der regionalen Eliten vom und die gleichzeitige Bindung an das deutsche Mutterland sowie der Einflusses des Lettischen und Estnischen haben hier zu PhĂ€nomenen gefĂŒhrt, denen von zur MĂŒhlen nachspĂŒrt.

Dass von zur MĂŒhlen betrĂ€chtliche Unterschiede zwischen BĂŒrgertum und Adel sowie innerhalb des deutschbaltischen Adels ausmacht, erstaunt vielleicht angesichts der HomogenitĂ€t der Gesamtgruppe, die wiederum einen besonderen Blick auf den nichtdeutschen Adel im Zarenreich und insbesondere im Baltikum hatte. Ein besonderer Ethos, der von Protestantismus, LoyalitĂ€t gegenĂŒber der Krone, der Einsamkeit der baltischen GutshĂ€user und der herausgehobenen Stellung in der Gesellschaft geprĂ€gt war, ringt dem Leser Respekt ab und macht deutlich, warum nur wenigen Balten nach der Umsiedlung das Leben in der DDR und der Bundesrepublik leicht fiel.

Auch Verbannung, Flucht und Erschießungen, in denen sich die Weltgeschichte vor Ort widerspiegelt, werden anhand konkreter Beispiele beleuchtet und veranschaulichen auf ihre Weise insbesondere das Ende der Geschichte der Deutschen im Baltikum. Trotzdem ist der Tenor des Buches ein positiver.

Obgleich die Deutschen im Fokus stehen, werden viele heute im Baltikum fortwirkende Konstellationen und Einstellungen verstĂ€ndlich, etwa warum der Blick der Esten und Letten auf ihre schwedischen Nachbarn ein so vertrauter ist, wĂ€hrend man Russland kritisch beĂ€ugt und sich der deutschen Kultur nach wie vor in besonderer Weise verbunden fĂŒhlt. Wer Geschichte und MentalitĂ€t des Baltikums nicht nur kennenlernen, sondern auch verstehen möchte, dem sei geraten, mit von zur MĂŒhlens „Baltischer Geschichte in Geschichten“ auf diese wunderbare Ecke Europas zu blicken.

20,5 x 12,8 cm

ISBN 978-3-937949-27-7

LĂŒneburg und Tallinn: Plaggenhauer / Ecce Revalia 2012, 239 S.

ISBN: 9783937949277
Kategorie: 1

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Baltische Geschichte in Geschichten
Dat köst Woveel wullt Du?
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