Buchholz, Heinrich / Buchholz, Lore (Rg.)
"Na Lütten?"
Briefe aus dem Konzentrationslager und Zuchthaus 1933-1937

Plattdüütsch BOOK OF THE YEAR 2012:
As aktiven Kommunisten is Heinrich Buchholz, en Bremer Discher ut en Arbeiterfamilje, al 1933 achter de Trallen kamen - toeerst 1933 in't Bremer KZ Mißler, 1934 in't Tuchthuus. Ut de Haft hett he an sien Froo op Hoch un op Platt schreven: Platt, wenn he ehr opmuntern wull un hoch, wenn't üm irnsthaftige Saken güng, to'n Bispill wenn he wedder vör Gericht müss. Sien Dochter Lore, de nu dat Book rutbröcht hett, wull ok, datt Papa ehr op Platt schrifft. He anter: „Also an Di schall ick ok plattdüütsch schrieben. Tschä, segg mol, versteihst Du denn platt? Na, denn man to...“
Ok wenn de Zensur unmöglich möök, datt Heinrich Buchholz sik allens vun de Seel schreev, wat em ümdreev, so geevt de afdruckten Breven doch en depen Inblick in Dinken un Föhlen vun een eenfachen Minschen, de ünner de Rääd vun de Nazis ehr Terrorsystem kööm.
En eenmalig Dokument, wat den Minschen Heinrich Buchholz un de damalige Tiet lebennig opschienen laat.

Heinrich Buchholz (1895-1953) stammte aus einer Bremer Arbeiterfamilie und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Während seiner Tischlerlehre trat er zunächst der SPD-Jugendorganisation bei und wurde 1920 KPD-Mitglied. Er engagierte sich aktiv in verschiedenen kommunistischen Gruppierungen, unter anderem bei der Theatergruppe „Die Blauen Blusen“. Dadurch geriet er früh ins Fadenkreuz der Bremer Nazis. So wurde er bereits 1933 erstmals verhaftet und verbrachte mehrere Monate im Bremer KZ Mißler. Wegen seines anhaltenden Widerstands wurde er 1934 erneut verhaftet und zu einer Zuchthausstrafe von drei Jahren verurteilt. Die Kriegsjahre überstand er trotz anhaltender Widerstandsarbeit und kurzzeitiger Inhaftierungen unversehrt. Sein unermüdliches Engagement für die kommunistische Partei und ihre verschiedenen Aktivitäten im Bremer Raum bereiteten ihm aber auch nach Kriegsende erhebliche Schwierigkeiten. Dabei war er besonders im sozialen Einsatz für die Belange der mittellosen Arbeiterschaft aktiv. 1953 ist er bei Renovierungsarbeiten des Schullandheims „Verdener Brunnen“ durch einen tragischen Unfall ums Leben gekommen.

Während seiner Inhaftierungen (1933 - 1937) hat Heinrich Buchholz in rührender Weise Briefe an seine Frau und an die gemeinsame kleine Tochter geschrieben. Da er Talent zum Zeichnen hatte, sind diese häufig mit heiteren Bildern und Karikaturen illustriert. Die Briefe dokumentieren eindrucksvoll seinen Durchhaltewillen und die Hoffnung auf ein gemeinsames glückliches Familienleben. Wissend um die Zensur der Bewacher verschleiert der Briefeschreiber mögliche Drangsalierungen, denen er ausgesetzt ist.

Heinrich Buchholz hat seine Briefe aus der Haft zweisprachig verfasst: An seine Frau schreibt er zumeist plattdeutsch: „Na, Lütten?“ Dabei bemüht er sich, besonders heiter und gelöst zu wirken, fügt die eine und andere lustige Bemerkung ein und erinnert an frohe gemeinsame Erlebnisse. Es ist zu spüren, dass er damit auf Briefe und Besuche ihrerseits reagiert, die eher betrübt und resignativ ausgefallen sein dürften. Hochdeutsch schreibt er ihr, wenn auch ihm nicht der Sinn nach Heiterem steht und z.B. eine ernste Gerichtsentscheidung bevorsteht.

Seine Tochter Lore ist zu dieser Zeit ein kleines Kind. Er schickt ihr einfache, meist heitere Zeichnungen, fragt nach ihren Erlebnissen und fordert sie auf, ihm zu schreiben. Die Antworten sind zunächst ungelenke, noch fehlerhaft formulierte kurze Mitteilungen. Zunehmend beherrscht das Kind das richtige Schreiben, und schließlich fordert es den Vater auf, auch ihm plattdeutsch zu schreiben. „Also an Di schall ick ok plattdüütsch schrieben. Tschä, segg mol, versteihst Du denn platt? Na, denn man to...“

Besonders die Haftstrafe von 1934 bis 1937 stellt eine große Belastung für Heinrich Buchholz und seine Familie dar. Die Briefe, die nur in großen Abständen und streng reglementiert verfasst werden durften, spiegeln das wider. Für ausführliche Berichte, Fragen und Gedanken des Inhaftierten war auf den Briefformularen des Zuchthauses kein Platz. Zudem unterlagen die Schreiben strenger Zensur. Dennoch kann er seine wesentlichen Empfindungen mitteilen.
Die erhaltenen Briefdokumente zwischen dem Inhaftierten und seiner Familie hat Lore Buchholz, die Tochter von Heinrich Buchholz, verwahrt und nun mit Hilfe von Helmut Donat als Buch herausgegeben. Ausführliche Text- und Bilddokumentationen illustrieren den geschichtlichen Hintergrund dieser Familienhistorie. Das Geleitwort schrieb Heinrich Hannover, der als Anwalt nach dem 2. Weltkrieg zahlreiche Kommunisten im antikommunistischen Meinungsklima der frühen Bundesrepublik verteidigt hat.
Die Briefe sind z.T. fotografisch dokumentiert, ihre Texte hoch- und niederdeutsch wiedergegeben, wobei die niederdeutschen Texten auch ins Hochdeutsche übersetzt wurden. Das Buch ist auf bestem Papier gedruckt, konventionell gebunden und mit Hardcover versehen.
„Na, Lütten?“ ist ein eindrucksvolles Dokument aus der dunklen deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, das mitfühlen lässt mit dem Schicksal einer betroffenen Familie. Dass Heinrich Buchholz seine Briefe zum Teil plattdeutsch verfasst hat, unterstreicht die Authentizität dieses Zeitzeugnisses. (Plattnet)

Mit en Dutt Teknungen vun den Autor, wo he Humor un Kritik togliek in sien Breven mit ünnerbringen kunn.

Fast inbunnen.

ISBN 978-3-938275-65-8

Bremen: Donat Verlag 2011, 192 S.

ISBN: 9783938275658
Kategorie: Böker

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