Gumpert, Gregor (Rg.) / Tucai, Ewald (Rg.)
Nordfriesland und seine Inseln
Ein literarisches Porträt

Nordfriesland - ein Universum für sich. Die drei Sprachen des Landes - Hochdeutsch, Friesisch und Niederdeutsch - sind eindrücklich in ihrer literarischen Dimension in diesem Band dokumentiert; den friesischen Texten - zumeist Gedichten - ist jeweils eine hochdeutsche Übersetziung beigegeben. Mit dem Begriff "Dokumentation" ist allerdings diese Buch nicht eigentlich erfassbar: Der besondere Reiz der Anthologie liegt im Verwobensein von Selbst- und Fremdbild, von Damaligem und Heutigem. So steht ein Tagebucheintrag des Schweizers Max Frisch von 1949, in Kampen auf Sylt verfasst, neben einem autobiographischen Rückblick des großen expressionistischen Malers Emil Nolde (eigentlich Hansen) aus Nolde in Nordschleswig unter dem Titel "Seebüll". Wie eine nüchterne Erwiderung aus zeitlicher Nähe, doch räumlicher Ferne schließt sich unmittelbar das gleichnamige Gedicht des schlesischen Dichters Christian Saalberg an, der im wahrsten Sinne des Wortes vergeblich Zugang zu Nolde und seinem Wohnsitz Seebüll sucht. Der Text Kristine von Sodens "Stiller Empfang bei den Deichgrafen" liest sich wiederum wie ein Schlüssel zu Saalbergs Gedicht: Die bei Saalberg durchschienende Fremdheit, die mancher Auswärtige nie wird durchbrechen können, wird hier entschlüsselt, sie schlägt bei von Soden gleichsam um in die enge Verbundenheit, die der Nordfriesland-Liebhaber verspürt, ohne siein Worte fassen zu können. Sie alle aber versprühen nicht die Authentizität der friesischsprachigen Lyrik oder des Gedichts von Hein Hoop, dem in Nordschleswig geborenen Wahlfriesen, dem es im "Nebellungenlied" gelingt, mit trocken-norddeutscher Ironie das zu verkörpern, von dem die anderen nur schreiben können.

Fester Einband, Schutzumschlag.

ISBN 978-3-529-06116-5

Neumünster: Wachholtz 2011, 247 S.

ISBN: 9783529061165
Kategorie: Böker

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Nordfriesland und seine Inseln
Dat köst Woveel wullt Du?
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