Suhrbier, Hartwig (Rg.)

L├╝gengeschichten aus Rostock und Hamburg
Peter Lurenz & Krischan Wehnke erz├Ąhlen Texte von J. Brinckman, L. Reinhard, F. Reuter, K. Groth, Th. Piening, Th. Fontane und anderen

Dieses Buch versammelt erstmals die L├╝gengeschichten ├╝ber au├čergew├Âhnliche Taten und merkw├╝rdige Erlebnisse von Peter Lurenz und Krischan Wehnke. Der Rostocker Schiffer Lurenz lebte und fabulierte im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts, der Hamburger Schiffer Wehnke ist eine um 1850 erfundene literarische Figur.

Beide r├╝hmen sich in ihren Erz├Ąhlungen der Duzbr├╝derschaft mit K├Ânigen und Feldherrn, sprechen sich herausragende Leistungen und sagenhafte Begegnungen zu. Nur durch das Eingreifen von Lurenz etwa k├Ânnen Napoleon und Nelson entscheidende Schlachten gewinnen, w├Ąhrend Wehnke vergeblich versucht, Nelson bei Trafalgar vor dem Heldentod zu bewahren.

Lurenz und Wehnke treffen auf See ansehnliche Meerfrauen, und Wehnke hat ein lebensgef├Ąhrliches Stelldichein im Harem des t├╝rkischen Sultans.

Bemerkenswert ist: Ludwig Reinhard und John Brinckman haben ihre Lurenz-Geschichten genutzt, um Kritik zu ├╝ben: darin erscheinen die milit├Ąrischen Genies Napoleon und Nelson als ├╝berforderte Dilettanten. Gesellschaftskritische Spitzen w├╝rzen die Wehnke-Texte von Theodor Piening: so sind Orden, Titel und Geldgeschenke f├╝r Wehnke Bestechungsmittel der F├╝rsten.

In beiden F├Ąllen klingen politische Einstellungen der Umbruchzeit von 1848/49 nach.

Andere Autoren haben das kritische Potential der Lurenz- und der Wehnke-Figur negiert oder wollten nur Aufschneider-Schnurren liefern.

Ein Fabulierer wie Lurenz und Wehnke ist auch der Rostocker Kapit├Ąn Kasper-Ohm: ihn l├Ą├čt Brinckman erz├Ąhlen, wie er einen gef├╝rchteten Piraten vor Batavia fing. Da├č dieses Seemannsgarn auf einer in Hafenkneipen umlaufenden Geschichte fu├čen d├╝rfte, l├Ą├čt eine Anekdote erkennen, die Theodor Fontane in Meine Kinderjahre ├╝berliefert hat.
Die Lurenz-Geschichten sind auf Niederdeutsch erz├Ąhlt und gedruckt worden, die Wehnke-Geschichten auf Hochdeutsch und auf Niederdeutsch. F├╝r diese Sammlung mit Texten und Text-Ausz├╝gen habe ich die l├Ąngeren niederdeutschen Geschichten ins Hochdeutsche ├╝bersetzt; die kurzen, leicht lesbaren St├╝cke erscheinen im originalen Plattdeutsch.
Die wechselnde Schreibung der Namen (Lurentz; Lurenz; hochdeutsch: Lorentz; Lorenz; Krischaan; Krischahn; Krischan; Wehnke; Wehncke) ist in den Texten beibehalten; in Inhaltsverzeichnis und Nachwort steht einheitlich Peter Lurenz und Krischan Wehnke.
Das Nachwort schildert Entstehung und ├ťberlieferung dieser L├╝gengeschichten und analysiert Gemeinsamkeiten und Unterschiede, ebenso die Verwertung einer Lurenz-Geschichte durch Fritz Reuter.
Bislang unbekannte Wehnke-Texte von Bernhard B├Ârner, die ich bei der Vorbereitung dieses Buches in der Zeitschrift Fliegende Bl├Ątter von 1851/52 gefunden habe, bringen Licht in die Erfindung der Wehnke-Figur und ├╝berraschen mit der Erkenntnis, da├č die erste plattdeutsche Wehnke-Geschichte (1854) eine ├ťbersetzung des ersten hochdeutschen Wehnke-Textes (1851) ist.
Die Kommentierte Bibliographie dokumentiert die m├Âglichst umfassend ermittelten Drucke der Lurenz- und Wehnke-Geschichten und benennt Besonderes.
Insgesamt erschlie├čt dieser Band einen kaum bekannten Aspekt der Literatur aus Mecklenburg und Hamburg.
(Hartwig Suhrbier)

Mit s├Âss Biller.

Gewicht: 140 g

Gr├Âtt: 12,6 x 19,0 cm

ISBN: 978-3-86785-323-1

Bargeshagen: BS-Verlag 2015, 153 S.

ISBN: 9783867853231
Kategorie: 1

Bestellnummer: BO BSV 3117
L├╝gengeschichten aus Rostock und Hamburg
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