Lahme, Caspar
Plattdeutsches Wörterbuch für Alme

Wörterbuch des Platts von Alme (Ortsteil von Brilon) im Hochsuaerlandkreis (kurkölnisches Sauerland). Das Wörterbuch zeichnet sich durch sprachwissenschaftliche Solidität aus. So finden sich z.B. Sätze, die das erklärte Wort durch Beispiele aus dem dörflichen Umfeld veranschaulichen, Fotos und Zeichnungen sowie Texte in Almer Platt.

Beispiele für Einträge:

Bankruotscheyter (m.) Pl.: ~s: kreditunwürdiger Mensch, Bankrotteur.

bännegen (schw. V.): bändigen

bannen (schw. V.): bändigen, bewältigen. Döi heäs mey deän Teller tai vull emacht, dät kann ick nit bannen. Du hast mir den Teller zu voll gemacht, das kann ich nicht bewältigen.

Banse (f.), Pl.: ~n: Heu- und Strohlager auf dem Dachboden →Holtbanse

bansen (schw. V.): stapeln, aufschichten. Vandage het se’t Holt liebert, Jungens, jey möttet et nai bansen! Heute ist das Holz geliefert worden, Jungen, ihr müsst es noch aufstapeln!

barbest (Adj.): 1. barfuß. 2. nackt. Rda.: Mit barbesten Schuoken - mit nackten Füßen

In dem Buch finden sich auch die sog. vierzig Wenkerschen Sätze

Erarbeitet in Zusammenarbeit mit Dr. Werner Beckmann

24 x 17 cm

ISBN 978-3-86133-832-1

Brilon: Podszun Verlag 2016, 267 S.

ISBN: 9783861338321
Kategorie: Böker

Bestellnummer: BO POD 3461
Plattdeutsches Wörterbuch für Alme
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Wat anner Lüüd dorto seggen doot:
Peter Bürger (Rezension, erschienen in: Sauerland. [Zeitschrift des Sauerländer Heimatbundes] Nr. 4/2016, S. 46-47.) schrifft:
Für Freunde und Erforscher der einstigen Alltagssprache des Sauerlandes gibt es eine gute Nachricht: Caspar Lahme (Jg. 1941) hat zum Weihnachtsbüchermarkt 2016 ein „Plattdeutsches Wörterbuch für Alme“ im Briloner Verlag Podszun veröffentlicht. Als wissenschaftlichen Berater und Co-Autor konnte er schon vor Jahren Dr. Werner Beckmann (Mundartarchiv Sauerland) gewinnen. Das Werk ist weitaus mehr als nur eine bloße „Wörtersammlung“. Die rund 4200 Worteinträge sind in sehr vielen Fällen durch Redewendungen bzw. Beispielsätze (samt Übersetzung) ergänzt und enthalten auch schon Formen zur Beugung unregelmäßiger Zeitwörter. Der letzte Punkt lag dem niederdeutschen Philologen besonders am Herzen und geht z.B. über die Anlage des „kurkölnischen Wörterbuches“ von 1988 hinaus. Ein sehr wichtiger Bestandteil der Neuerscheinung ist die von Dr. Beckmann vorgelegte Grammatik zur Almer Ortsmundart. Der Sprachwissenschaftler hat daneben auch deutende Erklärungen zu Haus- und Flurnamen beigesteuert, so dass die Verbindung von Sprache und Ort (bzw. Ortsgeschichte) noch einmal „ganz praktisch“ beim Wort genommen wird. Auf der Grundlage der neu erarbeiteten Schreibweise bietet Caspar Lahme im Anhang plattdeutsche Almer Erzählungen aus seinen früheren Werken nebst hochdeutschen Fassungen dar. (Diese Schriftzeugnisse können über Tondateien auf der Internetseite des Sauerländer Heimatbundes auch „nachgehört“ werden.) Einige Zeichnungen von Manuela Schütte veranschaulichen Gegenstände, die heute kaum noch jemand kennt. Beeindruckende historische Fotographien vermitteln u.a. ein Bild davon, wie Alme in „plattdeutscher Zeit“ ausgesehen hat. Lahmes Buch zeichnet sich gegenüber den meisten Unternehmungen zur „Sicherung des lokalen Sprachschatzes“ durch eine deutliche Fortentwicklung aus. Ernste „Neider“ möge es nicht auf den Plan rufen, dafür aber Nachahmer mit ähnlich hochgestecktem Anspruch. Der sprachgeschichtliche Hintergrund des Wörterbuch-Autors sei hier wenigstens skizziert: Caspar Lahme, geboren im Kriegsjahr 1941, ist in Alme aufgewachsen. Die Mutter, in deren Almer Herkunftsfamilie nur Platt gesprochen wurde, wünschte sich auch für ihr Alter noch die Möglichkeit zur plattdeutschen Unterhaltung. Nicht zuletzt deshalb sprach sie mit ihrem Sohn plattdeutsch, obwohl rundherum bei den meisten Kindern der vollständige Sprechsprachenwechsel hin zum Hochdeutschen schon vollzogen war. Die meisten plattdeutschen Gesprächspartner von Caspar Lahme in Alme sind dann später deutlich älter als er. In den 1980er werden plattdeutsche Abende veranstaltet. Lahme veröffentlicht in zwei Büchern Mundarttexte für seinen Heimatort: „Düt un dat öit diäm allen Alme“ (1986) und „Alme, gistern un värgistern“ (1988). Seine lokalen Adaptionen von plattdeutschen Bühnentexten finden ein großes Echo im örtlichen Vereinsgefüge und führen zu einer langjährigen Tradition des plattdeutschen Theaters in Alme, an der auch junge Menschen begeistert mitwirken. Doch dann geht das Interesse an den Aufführungen kontinuierlich zurück: „Und das lag nicht an den schauspielerischen Leistungen der Akteure. Die Zuschauer, die Plattdeutsch verstehen, starben im wahrsten Sinne des Wortes aus.“ (Plattdeutsches Wörterbuch für Alme: Vorwort) Caspar Lahme ist heute wirklich einer der letzten Sprecher der Almer Ortsmundart. Aus langjährigem Austausch weiß ich, wie sehr er es sich im Bewusstsein der fliegenden Zeit zur Aufgabe gemacht hat, den Sprachschatz für kommende Generationen zu dokumentieren. Das neue, von W. Beckmann wissenschaftlich begleitete Wörterbuch vermittelt vorbildlich, dass auch das „alte Platt“ schon im Fluss der Zeit stand. Die „vierzig Wenkerschen Sätze“ werden in der vom Almer Hauptlehrer Bernhard Geyer 1879/80 niedergeschriebenen Mundartfassung und ebenfalls in Lahmes Sprachversion aus dem Jahr 2015 abgedruckt. Die Unterschiedlichkeit ist für jeden Leser sofort greifbar. Lahme selbst hat, wie er mitteilt, auch schon einige spezielle Vokabeln aus der eigenen Kindheit vergessen. Es ist niemand mehr da, der sicher angeben kann, wie die früheren Almer Generationen den „Maulwurf“ oder die „Glühwürmchen“ benannten. Weit entfernt von jedem „provinziellen Stammespatriotismus“ betont Caspar Lahme, dass überall auf dem Globus – und mit zunehmender Geschwindigkeit – lokale Sprachen verschwinden. Das Almer Platt ist nur eine von vieltausend Ortsmundarten und Sprachen, die zum Reichtum der einen Menschenfamilie gehören und doch nicht ewig bleiben. Wir sollten unsere Geburts- und Heimatorte nicht zum Mittelpunkt der ganzen Welt machen, aber lieben dürfen wir sie auf eine ganze besondere Weise. Hier wurden wir Menschen – durch andere Menschen und vorzugsweise durch Sprache.

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