Baumann, Paul (Rg.)
Plattdeutsche Kriegsgedichte aus Westfalen 1914-1918

Beim Lesen der Jahrgänge 1914-18 des Münsterischen Anzeigers (heute Westfälische Nachrichten) war Paul Baumann zugleich betroffen und beeidruckt von den zahlreich veröffentlichten Kriegsgedichten regionaler Autoren. Grenzenlose Ergebenheit und Hingabe für Kaiser und Reich, Todesverachtung und Siegesgewissheit der Zeit muten heute, nach zwei Weltkriegen und unzähligen weiteren bewaffneten Konflikten, befremdlich an. Sie geben aber einen tiefen Einblick in das Denken und Fühlen der Zeit und unterstreichen, wie wenig selbstverständlich eine auf Völkerverständigung und Ausgleich bedachte internationale Politik historisch ist.

Aus heutiger Sicht mutet die Anrufung der Heiligen seltsam an: Der Heilige (deutsche?) Michel wird aufgerufen: "Treck din beste Staohlwamms an, / Nimm de Peik mit langen Schaft, / Nimm tohaup dine ganze Kraft! / Help us, Sünte Michel!" Auch dem Heiligen Nikolaus, Sankt Jürgen und anderen Heiligen bleibt Derartiges nicht erspart. Die Gewissheit, Gott auf seiner Seite zu haben, scheint in vielen Gedichten durch.

Auch Kindern wird Chauvinismus und Rücksichtslosigkeit anerzogen, so im Gedicht "Twee Vörbiller" von Johannes Pesch: Die Schülerinnen und Schüler sollen Frauen nennen, die - neben der Kaiserin - "fürs Vaterland sorgten sehr". Richtige Antwort von Katrineken: "Die falue Gret und - die flinke Berta."

Bei genauerem Hinsehen drücken die Gedichte aber nicht nur Kriegsbegeisterung aus. Daneben stehen Ungewissheit und auch Trauer, so im Gedicht "De Blitz" oder "Den lesten Breef". Da ist der Aufruf zum Frieden zu finden (s. die Weihnachtsgeschichte "De Friedensengel"), doch zu Weihnachten nur gemäßigte Töne zu erwarten, wäre verfehlt: In "Junk-Dütskland un Chrißkind" wird die himmlische Weihnachtsgeschenkeproduktion auf Kriegsmaterial umgestellt, damit die Kleinen nachfühlen können, was die Brüder und Väter im Felde erleben.

Vertreten sind: Augustin Wibbelt, Karl Wagenfeld, Hermann Wette, Bernhard Holtmann, Karl Prümer, Eli Markus, Marie Findeklee und Johannes Pesch.

Eine großartige Quelle für den Sprachforscher ist das Verzeichnis der Redensarten und Wendungen am Ende des Buches.

Mit Worterklärungen zu allen Gedichten (sehr praktisch weil textchronologisch)

Mit Kapitalband und Lesezeichen

Paul Baumann Sübstverlag, ahn Johr, 344 S.

ISBN:
Kategorie: Böker

Bestellnummer: BO BMN 3577
Plattdeutsche Kriegsgedichte aus Westfalen 1914-1918
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